Um Mitternacht soll es losgehen. Dann endlich dürfen die Besucher über die „floating piers“ flanieren und selber spüren, wie sich die wankenden Planken anfühlen. In den Stunden davor genossen wir die Ruhe vor dem Sturm. Was für ein herrlicher Tag – tolles Wetter, entspannte lässige Stimmung am Iseosee. Letzte Vorbereitungen, die restlichen Stoffe werden ausgelegt und befestigt, wir flanieren um die Monte Isola und genießen vor allem die vielen unterschiedlichen Facetten des goldenen Stoffs. Je nach Sonnen -und Wolkenstand, je nach eigener Position verändert sich die Farbe und der Glanz permanent. Und schon heute können wir auf dem Uferweg barfuß über den Stoff gehen, unter dem ein Flies liegt, so dass alles schön weich ist. Ein Traumtag. Und vielleicht kann man heute die besten Fotos machen, weil alle Piers fast leer sind.
„The floating piers“ am Iseosee
Wie wird es sich anfühlen, wenn man auf den Stegen über das Wasser geht? Auf jeden Fall wird es eine wacklige Angelegenheit, soviel steht fest. „Als ob man auf einem Wasserbett spazieren geht“ und „als balanciere man auf einem Wal“, wird Christo zitiert. Er muss es wissen, denn der Verpackungskünstler hatte einst mit seiner verstorbenen Frau Jeanne-Claude die Idee für das Projekt „The floating piers“. Vor Buenos Aires wollten sie es aufbauen, später vor Tokio. Doch an beiden Orten bekamen sie keine Genehmigung – zum Glück. Denn jetzt hat Christo die schwimmenden Stege am norditalienischen Iseosee realisiert – Genehmigung und Begeisterung hatte er in kürzester Zeit – und wir sind dabei.
„The floating piers“ ist wieder eine dieser im ersten Augenblick ebenso einfachen wie genialen Ideen, die das Markenzeichen des 80jährigen Künstlers sind. Auf einer Strecke von insgesamt drei Kilometern verbindet Christo die Inseln Monte Isola und Sao Paolo durch einen 16 Meter breiten Steg mit dem Ort Sulzano auf dem Festland. Der Steg besteht aus 200.000 mit Luft gefüllten Plastikwürfeln. Sie wurden im Laufe des letzten Monats auf dem See installiert, Taucher verankerten sie mit schweren Gewichten im See. Wir haben dabei zugesehen.
Erst jetzt in den letzten Stunden vor dem Start am Samstag, 18. Juni verpackt Christos Team die Plastikwürfel mit 70.000 Quadratmeter dahliengelbem Stoff. Der Stoff heißt „Dahlia“, schimmert je nach Sonnenstand goldgelb oder orangerot und wurde bei der Firma Setex im westfälischen Hamminkeln gewebt und in Lübeck vernäht. Und nicht nur die Stege werden mit dem Stoff geschmückt, auch einige Straßen der Insel und des Festlandes bekommen etwas ab von dem Stoff.
Der See ist von vielen Bergen umgeben und so kann man bereits jetzt von oben erahnen, dass das erste Mammutprojekt von Christo seit mehr als zehn Jahren eine phantastische Wirkung entwickelt. Vom 18. Juni bis 3. Juli kann jedermann kostenlos über das Wasser laufen. Christo bittet die Besucher mit leichten Schuhen oder gleich barfuß darüber zu laufen, um ein Gefühl für die schwimmenden Stege zu bekommen.
Nur etwas mehr als zwei Wochen hat man Zeit, wenn man über das Wasser des Iseosees laufen will. Zehntausende werden erwartet. Wer hin möchte, kann sich auf der Seite http://floatingpiers.navigazionelagoiseo.it über die Anreise informieren. Die Straßen am See sind eng, es wird empfohlen per Zug, Bus oder Schiff zu den floating piers zu reisen. Tickets und Parkplätze können auf der Seite vorab gebucht werden.
Ab 4. Juli werden die Stege wieder abgebaut, das Spektakel ist wie immer bei Christo Geschichte. Was bleibt sind seine Skizzen, Fotos und Reste von dem Stoff. Mit dem Verkauf davon will Christo das rund 12 Millionen Euro teure Projekt finanzieren. Wie immer kommt er ohne öffentliche Förderung aus.
Lob der Provinz
Oft ist die Kirche, die Pfarrerin und der Pfarrer die letzte Institution in fränkischen und bayerischen Dörfern. Denn auch wenn der letzte Dorfladen zugemacht hat, im Wirtshaus das Licht ausgegangen ist und das Rathaus längst in einer Verwaltungsgemeinschaft in einem anderen Dorf untergebracht ist, bleibt die Kirche vor Ort. Das ist für mich die wichtigste Erkenntnis aus der Frühjahrstagung der Evangelischen Landessynode in Ansbach, die ich journalistisch begleitet habe. Im Vorfeld habe ich die Dörfer Au in der Hallertau in Oberbayern, Krummennaab in der Oberpfalz und Illesheim in Mittelfranken und ihre Pfarrerinnen und Pfarrer besucht, um Kurzportraits zu drehen. Jeder der Hauptamtlichen ist längst für eine Vielzahl von Kirchen, Gemeinden und Dörfern zuständig – eine Folge der „Landflucht“ vieler junger Menschen und natürlich eine Folge von Kirchenaustritten. Die Kirchen und die Gemeinden sind überlebensnotwendig für die Dörfer – das sollte jedem bewusst sein.
Die Landessynode hat sich sich auf sehr vielfältige Art und Weise mit dem Leben in den Dörfern beschäftigt. Unter dem Motto „Lug ins Land, Kirche!“ ging es um Strategien für die Zukunft. Da geht es oft um Kooperationen zwischen Gemeinden, aber auch darum, die Dörfer nicht aus dem Blick zu verlieren und ein „Lob der Provinz“ zu formulieren. Ein starke Forderung hat bei der Evangelischen Landessynode der katholische Bamberger Erzbischof Ludwig Schick als Gast formuliert: „Wenn nur noch Kirche auf dem Land ist, dann ist es zu wenig. Wir brauchen auch die Kommunen auf dem Land. Wir brauchen auch lebendiges kommunales Leben auf dem Land. Aber dafür muss die Politik mehr tun als bisher.“
Und hier die Impressionen meiner Besuche in den Dörfern:
Weitere Beiträge der bild-schön medienproduktion von der Landessynode:
Bierbauch und Speicherspeck
Eine Ausstellung über etwas, was es gar nicht gibt. Jetzt heißt es ganz stark sein: der Bierbauch ist ein Mythos. Denn, so sagt Marion Ruisinger, Direktorin des Deutschen Medizinhistorischen Museums in Ingolstadt, der Bauch kommt nicht vom Bier allein. Er entsteht dann, wenn man mehr Energie zu sich nimmt als der Körper verbraucht. Der legt dann Speicherspeck an – ein herrliches Wort. Und beim Mann legt sich der Speicherspeck halt nun mal meistens direkt in der Körpermitte am Bauch ab. Und daher kommt der angebliche Bierbauch, der keiner ist.
Und dennoch widmet das Medizinhistorische Museum gemeinsam mit dem Bauerngerätemuseum Ingolstadt dem Bierbauch eine eigene Kunstausstellung. Schließlich ist Ingolstadt die Heimat des Reinheitsgebotes, das in diesen Tagen 500 Jahre alt wird. Zu sehen sind in einem Stall des Bauerngerätemuseums kunstvolle Fotografien von Gabriele Neumaier. Sie hat den Bierbauch als Berg, als herrliche Landschaft und Kulisse inszeniert. Kleine Figuren erleben allerlei auf dem Bauch – sie erklimmen ihn wie Bergsteiger, musizieren dort oder feiern einfach darauf. Alle Infos zur Ausstellung gibt es hier.
Mein Beitrag zur Ausstellung aus der Abendschau des BR Fernsehen und allerlei Artikel:
http://www.sueddeutsche.de/bayern/bier-und-bauch-kulturgut-wampe-1.2940557
http://www.donaukurier.de/nachrichten/kultur/Ingolstadt-Bier-formte-diesen-Koerper;art598,3203629

















