„Wir müssen daran denken, dass die Dinge verbunden sind. Wie Du handelst, das hat Auswirkungen auf andere Regionen der Welt“, sagt Tomás Saraceno. Alles ist mit allem verbunden. So könnte man die Kunst und die Philosophie des gebürtigen Argentiniers auf einen Nenner bringen. Im „Haus der Kunst“ in München ist bis zum 7. Februar 2027 seine bislang größte Ausstellung in Deutschland mit dem Titel „Verwobene Welten“ zu sehen. Wer sich darauf einlässt, der kann viel entdecken. Es geht um Spinnen, den Abbau von Lithium in der Salzwüste von Argentinien, um alte Plastiktüten, das „Heilige Wasser“ und um uns alle. Und das macht es so spannend.
Seit mehr als 20 Jahren lebt der Argentinier (Jahrgang 1973) in Berlin und gilt als einer der bedeutendsten Installationskünstler der Welt. Mit seiner Kunst tritt er für soziale Gerechtigkeit und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen ein. Er tut dies auf eine ansprechende Art und Weise, nicht mit erhobenem Zeigefinger, eher nachdenklich. Mit seiner Kunst konfrontiert, kommt man ins Grübeln und Nachdenken.
The Sanctuary of Water
Für mich ist es ein großes Geschenk während des Aufbaus und rund um die Eröffnung mehrfach mit Tomás in der Ausstellung unterwegs zu sein. Ich darf für das BR Fernsehen über seine Ausstellung berichten. Tomás ist locker, aufgeschlossen, sympathisch und bodenständig. Immer bemüht sein Werk und seine Ideen zu erklären.
Im Zentrum der Münchner Ausstellung steht das Werk „The Sanctuary of Water“ – das heißt soviel wie der Schutzraum oder das Heiligtum des Wassers. Denn für Tomás ist Wasser heilig. „Wir können ohne Gold, Silber, Lithium und seltene Erden leben“, erklärt er mir, nicht aber ohne Wasser. Und genau um diese lebenswichtige Wasser geht es in dem Kunstwerk. Es wird parallel zur Münchner Ausstellung in der Salzwüste „Salinas Grandes“ in Argentinien errichtet und im Haus der Kunst kann man mit einer ständig aktualisierten Präsentation dabei zusehen. Es besteht aus 7500 Tonnen Salz – große Halbkugeln werden inmitten der Salzwüste errichtet. Sie sind den Planeten nachempfunden, die Sonne wird einen Durchmesser von 24 Meter haben und 12 Meter hoch sein.
Er hat dieses Werk mit elf indigenen Gemeinschaften entwickelt, die in der Region leben. Sie leiden unter den Folgen des Abbaus von Lithium, das u.a. für die Batterien von E-Autos gebraucht wird. Um 1000 kg Lithium abzubauen, benötigt man 2 Millionen Liter Wasser, erklärt der Künstler. Und das gefährdet die Lebensgrundlagen der Bevölkerung in der Region. Tomás und die Bevölkerung kämpft für Gerechtigkeit, dafür dass sie dort weiter leben können. Und zu den Besucher*innen der Ausstellung sagt er: „Was Du tust, hat Auswirkungen auf andere Regionen der Welt,“ sagt er. Alles hat eben mit allem zu tun.
Tomás: „Beim Projekt in Argentinien verbinde ich zwei Realitäten. Das eine sind die Menschen, die dort in elf Gemeinschaften nahe bei dem großen Salzsee Salina Grande leben. Diese Region zwischen Bolivien, Argentinien und Chile ist reich an Lithium. Europa bracht Lithium für den Umbau hin zu grüner Energie.“ Die Regierung von Argentinien habe nicht den Respekt für die Menschen, die dort leben. „Eine Reihe von Katastrophen nimmt ihren Lauf.“ Wasserknappheit in der Salzwüste, aber gerade auch in Deutschland. Mit Interesse registriert Tomás wie München alarmiert ist und verbietet Swimmingpools zu füllen oder den Garten zu wässern. Alles hängt mit allem zusammen – Wasserknappheit gibt es in vielen Regionen der Welt.
Spinnen als Symobl der weltweiten Vernetzung
Spinnen spielen im Werk von Tomás Saraceno seit vielen Jahren eine große Rolle. Er hat mit dem Max Planck Institut zusammengearbeitet und eine Spinnenart ist sogar nach ihm benannt. Ihn begeistern die Kunst der Spinnennetze. In einem dunklen Raum der Ausstellung hat er großen Glaskuben, in denen er natürliche Spinnennetze mit seiner Kunst verbunden hat.
Spinnen sind für den Künstler das Symbol für die Vernetzung auf der Welt, Globalisierung – alles hängt mit allem zusammen. Und er setzt auf künstliche Spinnennetze, die die Besucher*innen zum Mitmachen auffordern. Über Wochen haben Mitarbeiter*innen vom Haus der Kunst und von Saraceno diese Spinnennetze geknüpft.
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Wenn die Gäste jetzt vorsichtig durch das Spinnennetz gehen, können sie an den „Spinnweben“ zupfen und so Musik und Geräusche machen.
Gleich an mehreren Objekten der Ausstellung können die Besucher*innen mitmachen. In der Eingangshalle zum Beispiel gibt es das „Museo Aero Solar“ – ein aus unendlich vielen alten Plastiktüten zusammengefügter Ballon, den man auch betreten darf und soll. Und im Herbst soll daran weiter gebaut werden. Gäste können dafür schon jetzt alte Plastiktüten mitbringen, die dann wiederverwendet werden.
Die vielleicht spektakulärste Installation der Ausstellung ist ein eigener Kosmos, der in einem dunklen Raum über 20.000 Litern Wasser schwebt. Objekte, Licht, Projektionen und das Wasser – faszinierend.
Die Ausstellung in bewegten Bildern: mein Beitrag aus der BR Abendschau.















