Hoffnungszeichen aus Kenia

Afrika hat es mir angetan. Die beeindruckenden Landschaften, das Licht, die Menschen… Im November 2025 führt mich eine Reise mit „missio München“ zum ersten Mal nach Kenia. Wir reisen in die Turkana-Region im Norden Kenias. Auch die Hauptstadt Nairobi erkunde ich, besuche dort deutsche Unternehmer, die auf Kenia setzen.


Ich darf starke junge Leute kennenlernen! Am meisten beeindruckt mich das Flüchtlingslager Kakuma im Norden von Kenia. Rundherum liegen Länder wie Äthiopien, Burundi, Kongo, Somalia der Südsudan und der Sudan. Aus diesen Ländern sind die Menschen – oft als Kleinkinder mit ihren Eltern – vor Bürgerkriegen und Konflikten geflohen. Seit 1991 gibt es das Camp Kakuma, das mittlerweile zu einer Flüchtlingsstadt aus Wellblech geworden ist – mit Schulen, Läden und Krankenhäusern, freilich anders als wir uns das vorstellen. Derzeit leben dort wohl mehr als 300.000 Menschen, genau weiß es niemand. 


Aman, 20 Jahre alt. Sie musste mit ihrer Familie 2009 als Vierjährige aus ihrer Heimat Äthiopien flüchten. Seitdem lebt sie im Flüchtlingslager Kakuma, 16 Jahre ihres jungen Lebens. Sie lebt dort mit ihren Eltern und Geschwistern und ihrem Sohn in einer Wellblechbehausung. Mit 9000 kenianischen Schilling, ca. 60 Euro bringt sie derzeit ihre Großfamilie durch – sie arbeitet als Sozialarbeiterin für eines der Krankenhäuser in der Flüchtlingsstadt. Sie ist ehrgeizig, hat im Camp das kenianische Abitur gemacht. Und jetzt erhält sie dort beim Jesuitenflüchtlingsdienst eine digitale Ausbildung für die Gestaltung von Apps und Internetseiten. Auf unserer Reise haben wir mehrere starke junge Frauen und Männer kennengelernt, die aus dem Lager von Kakuma heraus ihre Zukunft anpacken – beeindruckend! Ein Hoffnungszeichen.


Die Flüchtlinge Aman und Jubal durfte ich für einen Beitrag für die BR STATIONEN portraitieren, über ihre Hoffnungen und Wünsche erzählen. Hier findet Ihr den Beitrag. 


Der Campus der Learning Lions von Prinz Ludwig

Zwei Tage verbringen wir während unserer Reise auf dem IT-Campus der Learning Lions in der Turkana-Region. Das Projekt ist eine Idee des Wittelsbacher Prinz Ludwig. Seit mehr als zehn Jahren ist er Entwicklungshelfer und hat in dieser Zeit das Projekt mit viel Willen, Kraft und Spendern realisiert. In der Halbwüste der Turkana werden junge Studierende fit gemacht für eine digitale Zukunft. Sie sollen in ihren Heimatländern arbeiten, soweit das möglich ist. Im aktuellen IT-Kurs lernen wir einige engagierte junge Leute kennen.


Jubal, 29 Jahre alt, ist als 12jähriger aus dem Sudan geflohen. Dort herrscht seit Jahrzehnten immer wieder Bürgerkrieg; so auch jetzt. Schätzungen gehen aktuell von 12 bis 14 Millionen Menschen aus, die im oder aus dem Sudan aus der Flucht sind, Zehntausende wurden ermordet. Jubal hat seine Eltern seit 17 Jahren nicht mehr gesehen, die ihn damals mit seinem jüngeren Bruder und anderen aus seinem Dorf auf die Flucht geschickt haben. Weggerannt im wahrsten Sinne des Wortes vor Krieg und Völkermord. Seit damals lebt er im Flüchtlingslager in Kakuma im Norden von Kenia. Dort hat er Schulen besucht und seinen Schulabschluss gemacht. 


Jubal hat zuletzt an einem Auswahlverfahren für eine der begehrten IT-Ausbildungen der Learning Lions teilgenommen. Unter 800 jungen Flüchtlingen wurden 40 ausgewählt, so auch Jubal. Jetzt lernt er auf dem Campus in der Turkana-Region in einem sechswöchigen Programm die Grundlagen von IT und hofft, dass er auch den nächsten Schritt in ein Bootcamp schafft. Der Campus ist das Projekt von Prinz Ludwig und seinen Unterstützern. Er arbeitet eng mit missio München zusammen, die uns ermöglicht haben, den Campus und Menschen wie Jubal kennenzulernen. Er hat den großen Traum eines Tages in sein Heimatland zurückzukehren und beim Aufbau des Landes mit seinen Fähigkeiten mitzuhelfen. Hier findet Ihr meinen Beitrag für die BR Abendschau über die Aktivitäten des Wittelsbacher Prinzen Ludwig in der Turkana, unterstützt von missio und den Sternstunden, der Benefizaktion für Kinder mit dem Bayerischen Rundfunk und von vielen Anderen.


Mich haben die Menschen in Afrika begeistert, die Einheimischen und die, die ihnen helfen, ihre Menschenwürde zu erhalten oder zurück zu bekommen. Begeistert hat mich auch die Landschaft der Turkana, benannt nach dem riesigen Turkanasee, an dem der Campus der Learning Lions liegt. Die Turkana ist eine heiße Halbwüste. 

Hoffnungszeichen in Tansania

Im Februar 2025 durfte ich ja bereits der Aktion „Feuerkinder“ nach Tansania reisen. Ich konnte engagierte Ärzte und Pflegerinnen aus Deutschland begleiten, die zweimal im Jahr ehrenamtlich Kinder im lutherischen Nkaranga Hospital am Mount Meru operieren. Es sind vor allem Klumpfüße, X- und O-Beine, die die Orthopäden mit Unterstützung von Anästhesisten und OP-Schwestern hier korrigieren. Orthopädin Dr. Annemarie Schraml ist Kopf und Herz der Aktion. Und das seit 25 Jahren – beeindruckend! Ein Hoffnungszeichen! Auch im Rahmen dieser Reise konnte ich viele gute Geschichten sammeln und Filme produzieren. Die findet Ihr in diesem Blogeintrag der Reise. Und hier der Film über die „Feuerkinder“. 

Kinotipp: NAWI - Dear future me

Und noch ein Kinotipp: wir durften in Kenia Michelle kennenlernen. Sie spielt die Hauptrolle in dem Kinofilm „NAWI – Dear future me“. Am 5. März 2026 ist Deutschlandpremiere. Er wird vor allem in Programmkinos laufen. Es ist ein deutsch-kenianischer Film, der in der Turkana-Region auf Initiative von Prinz Ludwig und seinen Learning Lions gedreht wurde. Der Kinofilm erzählt die Geschichte der 13jährigen Nawi, die nach alter und verbotener Tradition zwangsverheiratet werden soll, wie es in Afrika leider oft noch üblich ist. Die Familien bekommen für ihre jung verheiratete Tochter Ziegen, Kühe und Kamele geschenkt. 


Wir waren mit den Hauptdarstellern des Films an den Drehorten unterwegs. Die heute 15jährige Michelle Lemuya Ikeny in der Hauptrolle ist eine faszinierende junge Frau, die uns zwei Tage lang begleitet und begeistert hat. Ich durfte den Film schon sehen und er hat mich begeistert. Missio München, mit denen wir hier sind, wird den Film im Kampf gegen die Zwangsheirat einsetzen. 


Reisen verändert den Blick auf zuhause

Diese Art des Reisens begeistert mich. Ich kann tiefer einsteigen in die Länder und Themen. Reisen verändert den Blick auf zuhause. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen, sei es in Kenia oder Tansania wird mir wieder einmal bewusst, wie komfortabel wir hier im Wohlstand leben und wie klein viele Probleme sind, die in unserer Gesellschaft groß geredet werden. 

Meine Gesprächspartner in Kenia und Tansania fragen immer wieder, warum die westlichen Medien zumeist nur über Konflikte, Kriege und Krisen in Afrika berichten. Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage. Wir kennen das alte Motto, dass sich schlechte Nachrichten besser verkaufen als Gute. Doch immer mehr Medien bringen mittlerweile auch ganz bewußt gute Nachrichten. Das ist ein guter Ansatz und ich trage gerne diese Hoffnungsgeschichten dazu bei. 

Die Brandmauer ist gefallen

Eine dunkle deutsche Woche und die Folgen

Diese Woche im Januar 2025 wird in die deutsche Geschichte eingehen. Als dunkle deutsche Woche. Und so wird sie auch Eingang finden in diesen Blog, der nicht parteipolitisch ist. Doch in dieser Woche zeigt sich, wie bedroht die deutsche Demokratie ist. Und im Sinne eines #niewieder #werember und #wehretdenanfängen ist es geboten, dass wir vor den großen Fehlern in der deutschen Geschichte warnen. 

Montag, 27. Januar 2025

Wie es der Zufall will, besuchen wir heute in Berlin das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. An einem besonderen Tag: Heute vor 80 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. In dem Lager ermordeten Deutsche 1,1 Millionen Menschen. Insgesamt wurden beim nationalsozialistischen Völkermord sechs Millionen Menschen umgebracht, die meisten von ihnen Jüdinnen und Juden. Diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit müssen wir uns immer wieder vor Augen halten und darüber sprechen. 

Dafür wurde unter andere, das Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin erbaut. Doch es bekommt Risse, genauso wie die Erinnerung an die Verbrechen. Doch ein Vergessen darf es nicht geben. Gerade auch vor dem Hintergrund der erschreckenden Ereignisse einer aktuellen Umfrage: 40 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 29 Jahren gaben an, die Zahl von sechs Millionen Mordopfern nicht zu kennen. 

Zum Glück gibt es auch dank der Kirchen in Deutschland noch Aufklärung über die Greueltaten der Nazis, u.a. in Auschwitz. Ein gelungenes Beispiel zum 80. Jahrestag in einer ARD Dokumentation. 

Eine weitere wichtige Zahl: rund 500.000 Menschen flüchteten im Dritten Reich aus Deutschland ins Exil: Juden, politische Verfolgte, Schriftsteller, Wissenschaftler, Filmschaffende, u

#weremember

Dann kommen wir zum Reichstag. Das #weremember dort steht in großen Buchstaben inmitten einer Baustelle. Und schon sind wir im Deutschland 2025: hier haben Politiker aus dem rechten Lager eine Debatte angestoßen – nach den Morden von Magdeburg und Aschaffenburg. So postete Julia Klöckner aus dem inneren Kreis der CDU-Führung: „Es gibt Kulturen, die sind mit unserer Lebensweise nicht einverstanden, deshalb können wir mit ihnen nicht einverstanden sein!“ Menschen aus anderen Nationen werden pauschal für die Taten einzelner, in diesen Fällen psychisch kranker Menschen verantwortlich gemacht. Für mich als Demokrat ist dieses Denken unerträglich. Was wäre mit den 500.000 deutschen Flüchtlingen im sogenannten 3. Reich passiert, wenn andere Nationen alle Deutschen pauschal zu Straftätern erklärt hätten? Glücklicherweise hat uns die Weltgemeinschaft wieder aufgenommen nach den Gräueltaten der Nazis.

Mittlerweile ist der deutsche Wahlkampf – oft von Fakten befreit – dank der Union und der AfD völlig entglitten. Es geht ja nicht mehr um Tatsachen sondern nur noch um die Deutungshoheit. Wir erinnern uns: die Union lehnte das verschärfte Sicherheitspaket der Ampel ab. Oppositionsführer Friedrich Merz kündigte stattdessen an, „jeden Tag abzuschieben“. Merz will die Freizügigkeit und Schengen – eine der größten Errungenschaften in Europa – einschränken und dauerhaft die Grenzen kontrollieren. Abgewiesen werden soll an den Grenzen auch der, der in Deutschland Asyl beantragen will –  ein Grundrecht soll geopfert werden. Viele der Vorschläge von Merz wie dieser sind mit geltendem Recht nicht vereinbar. 

Zuvor hatte Friedrich Merz vorgeschlagen, neu eingebürgerten Menschen den deutschen Pass abzuerkennen, wenn sie straffällig werden. Ein solches Vorgehen widerspricht ebenfalls dem Grundgesetz.

Die CSU hat angekündigt, dass individuelle Asylrecht in Deutschland abschaffen zu wollen. Dafür bräuchte es im Bundestag eine Zwei-Drittel-Mehrheit und es wäre ein Bruch mit einer der großen Lehren aus dem sogenannten 3. Reich. 

Das ist das eine. Doch viel schwerer wiegt die Tatsache, dass Friedrich Merz bewußt auf eine in großen Teilen rechtsextreme Partei setzt. 80 Jahre nach Kriegsende nehmen mit Friedrich Merz, der CDU und CSU erstmals wieder demokratische deutsche Politiker eine in Teilen rechtsradikale Unterstützung in Kauf. Mir fehlen die Worte.

Die Brandmauer fällt
Mittwoch 29. Januar 2025

Die Brandmauer ist gefallen. Friedrich Merz hat sein Wort gebrochen. Und eine Mehrheit des Bundestages aus CDU, CSU, FDP und der in Teilen rechtsradikalen AfD hat gegen geltendes Recht gestimmt.

Da fällt mir nicht mehr viel ein. Außer Dankbarkeit für die klugen Worte der Beauftragten der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland. Sie haben vor dieser Entscheidung gewarnt, weil der Gesetzentwurf nicht geeignet sei, zur Lösung der anstehenden emigrationspolitischen Fragen beizutragen. „Die beiden großen Kirchen weisen hiermit darauf hin, dass die nun vorgeschlagenen Gesetzesänderungen nach aktuellem Wissensstand keinen der Anschläge verhindert hätten. Die Attentate von Magdeburg am 20. Dezember 2024 und Aschaffenburg am 22. Januar 2025 wurden von offensichtlich psychisch kranken Personen begangen. Die Taten zeigen aus Sicht der Kirchen daher ein Defizit hinsichtlich des Informationsaustausches unterschiedlicher Behörden und einen eklatanten Mangel an adäquater Versorgung psychisch Kranker auf.“

Nebelkerzen im Wahlkampf. Ein schwerer historischer Fehler der Union, der Deutschland schadet. Ein dunkler Tag in unserer Geschichte, 80 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. 

Eine schwere Niederlage für Friedrich Merz
Freitag, 31. Januar 2025

Ein weiterer Tag an dem die deutsche Demokratie schwer beschädigt wird. Es ist der Tag, an dem die Union das „Zustrombegrenzungsgesetz“ in den Bundestag einbringt und damit scheitert. 338 Abgeordnete aus AfD, CDU/CSU, FDP und BSW stimmen für den Entwurf, 349 Abgeordnete stimmen dagegen. Das Parlament – darin sind sich alle einig – wurde schwer beschädigt. 

Stellvertretend für Viele die Einordnung durch den Präsidenten der Diakonie, Rüdiger Schuch: „Dies ist ein Sieg der Vernunft und ein klares Signal gegen einen Dammbruch. Es ist nicht akzeptabel, die Unterstützung von Partei einzukalkulieren, die unsere demokratische Grundordnung und eine rechtsstaatlich basierte Migrationspolitik ablehnen. (…) Wir müssen uns ernsthaft mit der Migrations- und Sicherheitspolitik auseinandersetzen und dabei auch die ganz unterschiedlichen Sorgen und Ängste in unserer Einwanderungsgesellschaft ernst nehmen. Dabei sind aber stets die unveräußerliche Menschenwürde, die Rechtsstaatlichkeit und die Vernunft als Leitprinzipien zu wahren.“ 

Legendenbildung

Es dauert nicht lang und das rechte Lager nutzt die Niederlage im Bundestag und die Entwicklung zur Legendenbildung. Im Netz und in der Presse ist zu lesen: die gescheiterte Ampelregierung sei Schuld am Rechtsruck. Zitat aus dem Netz: „Es wird Zeit, dass es eine politische Wende gibt und SPD und Grüne die Kurve hinbekommen. Die Verantwortung für die Brandmauer liegt jetzt bei den verbliebenen Regierungsparteien, auch wenn sie versuchen das Gegenteil zu behaupten.“ 

Im meiner Lokalzeitung kommentiert ein Redakteur: „Eine linke politische Minderheit hat es seit Jahren geschafft, die immer offensichtlicheren Probleme der Migration kleinzureden. (…) Nach Belieben bestimmt Rot-Grün seither den Diskurs.“ Das muss man sich einmal klar machen: eine demokratisch gewählte Bundesregierung bezeichnet ein Journalist als „linke politische Minderheit“. Und vom Sündenfall der CDU und CSU kein Wort. 

Auf die Idee, dass es in Deutschland auch noch Menschen gibt, die nicht rechts sondern in der Mitte der Gesellschaft stehen und andere Grundüberzeugungen haben als Wähler von CDU, CSU, AfD und FDP kommen diese Menschen gar nicht. Sie ebenen den Weg für die AfD. Vielleicht auch für eine gemeinsame Bundesregierung zwischen CDU, CSU und AfD.

Fazit

Etwas erscheint mir wichtig in der Diskussion: die Anträge von Mittwoch und Freitag inhaltlich zu unterscheiden. Beim 5-Punkte-Plan vom Mittwoch, 29. Januar 2025 geht es in vier von fünf Punkten um Rechtsbruch. Dafür brauchte Merz die AfD. Die fünf Punkte:

1. Dauerhafte Grenzkontrollen: verstoßen gegen EU-Recht. Der Schengener Grenzkodex erlaubt Kontrollen nur befristet für maximal zwei Jahre.

2. Zurückweisung von Personen ohne gültige Einreisedokumente gleich direkt an der Grenze: verstößt gegen das im Grundgesetz verankerte Recht auf Asyl und gegen EU-Recht.

3. Abschiebehaft: Eine pauschale Inhaftierung ohne Einzelfallprüfung wäre rechtswidrig laut der Europ. Menschenrechtskonvention.

4. Unterstützung der Länder bei Abschiebungen: Scheint rechtlich umsetzbar zu sein.

5. Verschärfung des Aufenthaltrechts: Einige der Vorschläge, wie der Entzug der Staatsangehörigkeit bei Doppelstaatlern, sind verfassungsrechtlich problematisch.

Quelle: Publizist Christian Nürnberger bei Facebook

Beim Antrag am Freitag ging es um eine Gesetzesänderung, bei der Merz mit mehr Zeit, Kompromissbereitschaft und Verhandlungsgeschick eine demokratische Mehrheit hätte finden können. Doch das war ihm offensichtlich nicht wichtig. 

Was wir uns immer wieder vor Augen führen müssen: Das gescheiterte Gesetz der CDU hätte weder den Attentäter von Magdeburg noch den von Aschaffenburg getroffen. Die Taten wären damit nicht verhindert worden.

Vergessen wir auch vor dem Hintergrund der grausamen Taten nicht die Grundpfeiler unserer Demokratie und unsere eigene deutsche Geschichte – nicht nur am Holocaust-Gedenktag.

Die nächsten Wochen

Mittlerweile sind einige Wochen ins Land gegangen. Die Union bleibt dabei sich für ihre – nach meinem Empfinden – Fehlentscheidungen nicht zu entschuldigen. Das hat Folgen. Indem die Narrative der AfD bedient werden – Ausländer sind kriminell und Deutschland ist unsicher – verfängt dass bei vielen Bürger*innen. Doch das ist schlicht falsch. Sehr lesenswert der Spiegelartikel „Friedrich Merz fällt auf den Psychotrick der AfD herein“.

Auch Maurice Höfgen zerlegt bei YouTube sehr ausführlich die Argumentation durch Friedrich Merz. 

Und dann ist da noch Markus Söder. Er droht den Kirchen die rechtlich klar geregelte finanzielle Unterstützung zu entziehen, wenn sie die Union kritisieren. Da fehlen einem dann endgültig die Worte. 

Beeindruckend in diesen Wochen die Demonstrationen gegen den Rechtsruck. 

Quellen und Tipps zum Nachlesen

Das Hochwasser und die Folgen

Wie aus dem Nichts ist das Wasser plötzlich da. Ich stehe in Baar-Ebenhausen am Beginn der Parkstraße. Eben ist die Straße noch trocken. Doch innerhalb weniger Minuten wird sie komplett geflutet. Woher das Wasser kommt, kann ich nicht sehen. Aber es kommt sehr schnell. Es ist der Sonntag, 2. Juni 2024. Zum Glück sind die Menschen in Alarmbereitschaft, der Katastrophenalarm wegen des drohenden Hochwassers gilt bereits. Die Menschen verlassen die Straße, wer kann fährt noch sein Auto heraus. Nach 15 Minuten steht hier alles unter Wasser. Ältere Mitbürger werden mit einem Traktor gerettet. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen.

Später stellt sich heraus, dass ein Damm der nahen Paar gebrochen ist. Die Schäden in Baar-Ebenhausen und dem nahen Reichertshofen sind enorm. Eigentlich sollte ich für das BR Fernsehen zum Pressetermin mit Ministerpräsident Markus Söder am Feuerwehrhaus in Reichertshofen. Doch die Straßen dorthin sind bereits geflutet. Und so drehte ich für das BR Fernsehen in Baar-Ebenhausen und in Manching Bilder der Hochwasserkatastrophe. Ich fahre auf einer Brücke über die Autobahn A9 – sie ist leer und gesperrt, weil Teile der Fahrbahn überschwemmt wurden. 

Die leere A9 als Symbol für das Hochwasser und die Klimakatastrophe.
Land unter in Schrobenhausen

Die Paar ist in normalen Zeiten ein gemütliches Gewässer. Doch in diesen Tagen ist sie in unserer Region in der Folge des Starkregens der letzten Tage Auslöser für die Hochwasserkatastrophe. Weiter nach Schrobenhausen. Die Innenstadt ist kaum wieder zu erkennen. Der grüne Stadtwall, der gemeinsam mit dem Bürgermeister-Stocker-Ring die Altstadt umgibt, steht vollkommen unter Wasser. Nur ein schmaler Weg schaut noch auf der Dammkrone heraus. Als ich dort um die Altstadt laufe, wird das ganze Ausmaß der Hochwasserkatastrophe deutlich. Ungezählte Wohnungen, Läden, Arztpraxen und dutzende Autos stehen unter Wasser. Die Türen der evangelischen Kirche sind geöffnet, Wasser strömt heraus. Und dann das Pflegeheim St. Georg. In der Nacht von Samstag auf Sonntag mussten die Bewohnerinnen und Bewohner evakuiert werden. Wenige Tage später stellt sich heraus, dass das Wasser das Pflegeheim für längere Zeit unbewohnbar gemacht hat. Mein Online-Artikel für den BR.

Völlig zerstört ist auch der Keller der Familie Hammer, die nahe der Altstadt von Schrobenhausen wohnt. Ich lerne sie am Dienstag nach der Katastrophe kennen. Mittlerweile steht fest, dass Schrobenhausen mehr als ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser ereilt hat. Bei Christine und Thomas Hammer kann man die Macht des Wassers erahnen. Sie räumen gerade mit Freunden ihren völlig zerstörten Keller aus. Sie haben dort ihr Büro gehabt, eine Werkstatt, die Heizung, die Technik für die PV-Anlage – alles zerstört. Ihr Schicksal und das von anderen haben wir für die BR24 Vor Ort Reportage „Nach dem Hochwasser – Räumen, Kämpfen, Hoffen“ – siehe oben – dokumentiert. 

Spontane Hilfe aus dem Ahrtal

Ich bin Christine und Thomas sehr dankbar, dass sie mich in ihr Haus gelassen haben. Das ist längst nicht selbstverständlich, denn in einer Situation wie dieser hat man alles andere zu tun als Journalisten die Folgen der Katastrophe zu zeigen. Doch sie haben es dankenswerterweise getan. Sie sind tapfer und als ich sie am Samstag darauf noch einmal besuche sind sie schon wieder viel optimistischer. Unzählige Freunde helfen ihnen. Und zum Glück ist das Wasser an der Kante zum Erdgeschoss stehen geblieben. Hoffentlich können der Estrich und der Fußboden im Haus bleiben, wenn alles richtig getrocknet ist. Schon laufen die großen Trockner in ihrem Haus, die ein Schrobenhausener, der mittlerweile im Ahrtal wohnt, spontan per Transporter in großer Zahl vom früheren Katastrophengebiet in das aktuelle Katastrophengebiet gebracht hat. Ein paar Fotos aus ihrem Haus. 

Pichl, Manching und unglaubliches Engagement

Am Montag, 3. Juni bin ich in Manching unterwegs. Auch hier ist es das Hochwasser der Paar, das die die Orte massiv bedroht. Früh am morgen ist ein von der Feuerwehr und vielen Helfern extra aufgebauter Damm nahe Pichl, einem Ortsteil von Manching gebrochen. Innerhalb von zwei Stunden sind fünf Straßen komplett überflutet. Schicksale und große Schäden auch hier. 

Manching selbst kann mit unglaublich viel Engagement gehalten werden. Beeindruckend wie am Feuerwehrhaus hunderte Helferinnen und Helfer Sandsäcke befüllen. Und viele andere Helfer stapeln sie an der Paar auf, die – so sieht man es auf meinen Bildern – schon höher steht als die Helfer selbst. Meine Eindrücke vom Tag in Pichl und Manching sind Teil der BR-Reportage „Die Flut in Bayern“. Und unter diesem Link bei 11:00 

Viele Fragen nach dem Hochwasser

Das Hochwasser und seine Folgen werden uns noch lange beschäftigen. Ja man hat aus früheren Hochwassern gelernt. Zum Beispiel in meiner Heimatstadt Neuburg an der Donau, wo nach dem Pfingst-Jahrhunderthochwasser von 1999 ein Hochwasserschutz für 22 Millionen Euro gebaut wurde, der bei diesem Hochwasser seine Leistungsfähigkeit bewiesen hat. In Schrobenhausen plant man ebenfalls seit Jahrzehnten Hochwasserschutz. Gebaut wurde er bis heute nicht. Die Diskussion ist jetzt natürlich noch einmal sehr stark entbrannt.

Und viele bewegt auch die Frage, warum der Polder in Riedensheim bei Neuburg nicht geöffnet wurde.In einem Beitrag für die BR Abendschau und einem Online-Artikel habe ich diese Frage beantwortet. 

Kein „Top Gun“ – mit der Luftwaffe im Baltikum

Es ist der 29. Februar 2024. Der Tag an dem Putin in seiner Rede an die Nation wieder einmal den Westen warnt und der NATO die Schuld für seinen Krieg gibt. Am gleichen Tag um die Mittagszeit starten rund 200 Kilometer von der russischen Grenze entfernt in Lettland zum ersten Mal zwei Eurofighter der deutschen Luftwaffe aus Neuburg an der Donau zu einem Kontrollflug in den grauen Himmel. Neun Monate lang werden Soldatinnen und Soldaten vom Taktischen Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg den Luftraum über dem Baltikum überwachen. 


Deutsche Kampfflugzeuge über dem Baltikum! „Show forces“ sagen die Militärs dazu – ein Kräftespiel am Himmel. Und ich bin mit meiner ausführlichen Berichterstattung für den Bayerischen Rundfunk automatisch ein Teil davon. Ein Soldat erzählt uns, dass einer meiner Beiträge in russischen Medien gezeigt wird. Der Aufenthalt auf dem Flugplatz Lielvarde, 50 Kilometer östlich der lettischen Hauptstadt Riga, macht nachdenklich. Und ist spannend.


Ich bin dabei als die Eurofighter-Piloten und -Techniker die Alarmstarts üben. Innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung durch die NATO müssen die Eurofighter gestartet sein. Meist geht es schneller. Besonders spannend auch die Bewaffnung der Eurofighter. Die Bordkanone wird bestückt und Lenkwaffen unterschiedlicher Reichweite werden angebracht. Und ich bin beim ersten Start der Eurofighter dabei.

„Air Policing Baltikum“


Das sogenannte „Air Policing Baltikum“ gibt es schon seit 20 Jahren. Der Hintergrund: Weil Litauen, Lettland und Estland über keine ausreichende Luftwaffe verfügen, überwachen andere NATO-Staaten den Luftraum. Alle drei Länder haben eine Grenze zu Russland. Und alle drei Länder haben Angst vor einem Überfall Russlands. Sie alle waren einst Teil der Sowjetunion. Und in dieser Zeit siedelte die Sowjetunion zum Beispiel in Lettland ganz bewusst Russen an. Ein Drittel der Bevölkerung ist russischstämmig – gerade in der östlichen Region Lettlands und in der Hauptstadt Riga. Russisch ist als Sprache weitverbreitet. 

 

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine dauert nun schon zwei lange Jahre. Das hat auch das Zusammenleben in den baltischen Staaten erschwert. So leben in Lettland Russen, die die lettische Sprache nicht sprechen.  Doch jetzt verlangt Lettland von den Russen im eigenen Land einen lettischen Sprachtest. Wer ihn nicht macht oder nicht schafft, soll Lettland verlassen. Angespannt auch die Lage in den anderen Staaten. Russland hatte im Februar Estlands Ministerpräsidentin Katja Kallas zur Fahndung ausgeschrieben. 

 

Und in dieser spannungsgeladenen Zeit kommen zum wiederholten Male deutsche Kampfpiloten – wie auch Piloten anderer NATO-Staaten – mit ihren Flugzeugen ins Baltikum, um die Länder zu schützen. Ein deutliches Zeichen. Als Journalist bin ich mir natürlich bewusst, dass auch meine Berichterstattung von der Bundeswehr und der NATO gewünscht ist.

Die Neuburger Piloten wissen um ihre Verantwortung, wenn sie im baltischen und im internationalen Luftraum unterwegs sind. Das sind keine „Mavericks“ aus „Top Gun“, wie sie Ministerpräsident Markus Söder beim Verabschiedungsappell in Neuburg genannt hat. In der Truppe kann man darüber nur den Kopf schütteln. Diese Piloten gehen sehr ernsthaft ihrer Aufgabe nach, NATO-Staaten zu schützen. Vor allem im internationalen Luftraum über der Ostsee sind Begegnungen mit russischen Militärflugzeugen für die Luftwaffenpiloten Alltag. Hier darf jedes Flugzeug fliegen. Russland nutzt diesen Luftraum zum Beispiel zur Verbindung mit seiner Exklave Kaliningrad zwischen Polen und Litauen. Pilot Holger erzählt im Interview ganz offen von diesen Begegnungen. Zum Beispiel in meinem „Thema des Tages“ in BR24:

 https://www.br.de/mediathek/podcast/br24-thema-des-tages/bundeswehr-im-baltikum-an-vorderster-front/2090828

Die Bundeswehr hat uns in Deutschland lange Jahre nicht wirklich interessiert. Wehrpflicht abgeschafft, bei Personal und Ausrüstung gespart und die Truppe wurde auch nicht wirklich ernst genommen. Doch jetzt ist alles anders. Mit dem Beginn des Krieges von Putin und Russland gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 haben sich die Zeiten geändert. In weiten Teilen der Bevölkerung haben sich das Bewusstsein und auch die Einstellung zur Bundeswehr seitdem gewandelt. Offen wird diskutiert, wie die Truppe gestärkt wird, damit Deutschland endlich eine verlässliche Armee bekommt. Waffenlieferungen an die Ukraine und die Wiedereinführung der Wehrpflicht werden diskutiert. 

Weltgeschehen hautnah

Als ich gerade aus Lettland abgereist bin, veröffentlicht Russland den Mitschnitt einer Konferenz hochrangiger Luftwaffen-Generäle, der Taurus-Abhörskandal. Zwei der abgehörten Generäle kommen genau an diesem Tag nach Lielvarde, um dort mit dem lettischen Verteidigungsminister die deutsche NATO-Mission für die nächsten neun Monate zu starten. Brigadegeneral Frank Gräfe ist auch dabei. Er war von 2013 bis 2015 Kommodore des Neuburger Geschwaders und ist wohl für das Datenleck verantwortlich, wie wenige Tage später Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius bekannt gibt. Frank Gräfe ist den Neuburgern und mir als Journalist bekannt. Weltgeschehen hautnah. Wenn auch nicht gerade so wie man es sich wünscht.