Hoffnungszeichen aus Kenia

Afrika hat es mir angetan. Die beeindruckenden Landschaften, das Licht, die Menschen… Im November 2025 führt mich eine Reise mit „missio München“ zum ersten Mal nach Kenia. Wir reisen in die Turkana-Region im Norden Kenias. Auch die Hauptstadt Nairobi erkunde ich, besuche dort deutsche Unternehmer, die auf Kenia setzen.


Ich darf starke junge Leute kennenlernen! Am meisten beeindruckt mich das Flüchtlingslager Kakuma im Norden von Kenia. Rundherum liegen Länder wie Äthiopien, Burundi, Kongo, Somalia der Südsudan und der Sudan. Aus diesen Ländern sind die Menschen – oft als Kleinkinder mit ihren Eltern – vor Bürgerkriegen und Konflikten geflohen. Seit 1991 gibt es das Camp Kakuma, das mittlerweile zu einer Flüchtlingsstadt aus Wellblech geworden ist – mit Schulen, Läden und Krankenhäusern, freilich anders als wir uns das vorstellen. Derzeit leben dort wohl mehr als 300.000 Menschen, genau weiß es niemand. 


Aman, 20 Jahre alt. Sie musste mit ihrer Familie 2009 als Vierjährige aus ihrer Heimat Äthiopien flüchten. Seitdem lebt sie im Flüchtlingslager Kakuma, 16 Jahre ihres jungen Lebens. Sie lebt dort mit ihren Eltern und Geschwistern und ihrem Sohn in einer Wellblechbehausung. Mit 9000 kenianischen Schilling, ca. 60 Euro bringt sie derzeit ihre Großfamilie durch – sie arbeitet als Sozialarbeiterin für eines der Krankenhäuser in der Flüchtlingsstadt. Sie ist ehrgeizig, hat im Camp das kenianische Abitur gemacht. Und jetzt erhält sie dort beim Jesuitenflüchtlingsdienst eine digitale Ausbildung für die Gestaltung von Apps und Internetseiten. Auf unserer Reise haben wir mehrere starke junge Frauen und Männer kennengelernt, die aus dem Lager von Kakuma heraus ihre Zukunft anpacken – beeindruckend! Ein Hoffnungszeichen.


Die Flüchtlinge Aman und Jubal durfte ich für einen Beitrag für die BR STATIONEN portraitieren, über ihre Hoffnungen und Wünsche erzählen. Hier findet Ihr den Beitrag. 


Der Campus der Learning Lions von Prinz Ludwig

Zwei Tage verbringen wir während unserer Reise auf dem IT-Campus der Learning Lions in der Turkana-Region. Das Projekt ist eine Idee des Wittelsbacher Prinz Ludwig. Seit mehr als zehn Jahren ist er Entwicklungshelfer und hat in dieser Zeit das Projekt mit viel Willen, Kraft und Spendern realisiert. In der Halbwüste der Turkana werden junge Studierende fit gemacht für eine digitale Zukunft. Sie sollen in ihren Heimatländern arbeiten, soweit das möglich ist. Im aktuellen IT-Kurs lernen wir einige engagierte junge Leute kennen.


Jubal, 29 Jahre alt, ist als 12jähriger aus dem Sudan geflohen. Dort herrscht seit Jahrzehnten immer wieder Bürgerkrieg; so auch jetzt. Schätzungen gehen aktuell von 12 bis 14 Millionen Menschen aus, die im oder aus dem Sudan aus der Flucht sind, Zehntausende wurden ermordet. Jubal hat seine Eltern seit 17 Jahren nicht mehr gesehen, die ihn damals mit seinem jüngeren Bruder und anderen aus seinem Dorf auf die Flucht geschickt haben. Weggerannt im wahrsten Sinne des Wortes vor Krieg und Völkermord. Seit damals lebt er im Flüchtlingslager in Kakuma im Norden von Kenia. Dort hat er Schulen besucht und seinen Schulabschluss gemacht. 


Jubal hat zuletzt an einem Auswahlverfahren für eine der begehrten IT-Ausbildungen der Learning Lions teilgenommen. Unter 800 jungen Flüchtlingen wurden 40 ausgewählt, so auch Jubal. Jetzt lernt er auf dem Campus in der Turkana-Region in einem sechswöchigen Programm die Grundlagen von IT und hofft, dass er auch den nächsten Schritt in ein Bootcamp schafft. Der Campus ist das Projekt von Prinz Ludwig und seinen Unterstützern. Er arbeitet eng mit missio München zusammen, die uns ermöglicht haben, den Campus und Menschen wie Jubal kennenzulernen. Er hat den großen Traum eines Tages in sein Heimatland zurückzukehren und beim Aufbau des Landes mit seinen Fähigkeiten mitzuhelfen. Hier findet Ihr meinen Beitrag für die BR Abendschau über die Aktivitäten des Wittelsbacher Prinzen Ludwig in der Turkana, unterstützt von missio und den Sternstunden, der Benefizaktion für Kinder mit dem Bayerischen Rundfunk und von vielen Anderen.


Mich haben die Menschen in Afrika begeistert, die Einheimischen und die, die ihnen helfen, ihre Menschenwürde zu erhalten oder zurück zu bekommen. Begeistert hat mich auch die Landschaft der Turkana, benannt nach dem riesigen Turkanasee, an dem der Campus der Learning Lions liegt. Die Turkana ist eine heiße Halbwüste. 

Hoffnungszeichen in Tansania

Im Februar 2025 durfte ich ja bereits der Aktion „Feuerkinder“ nach Tansania reisen. Ich konnte engagierte Ärzte und Pflegerinnen aus Deutschland begleiten, die zweimal im Jahr ehrenamtlich Kinder im lutherischen Nkaranga Hospital am Mount Meru operieren. Es sind vor allem Klumpfüße, X- und O-Beine, die die Orthopäden mit Unterstützung von Anästhesisten und OP-Schwestern hier korrigieren. Orthopädin Dr. Annemarie Schraml ist Kopf und Herz der Aktion. Und das seit 25 Jahren – beeindruckend! Ein Hoffnungszeichen! Auch im Rahmen dieser Reise konnte ich viele gute Geschichten sammeln und Filme produzieren. Die findet Ihr in diesem Blogeintrag der Reise. Und hier der Film über die „Feuerkinder“. 

Kinotipp: NAWI - Dear future me

Und noch ein Kinotipp: wir durften in Kenia Michelle kennenlernen. Sie spielt die Hauptrolle in dem Kinofilm „NAWI – Dear future me“. Am 5. März 2026 ist Deutschlandpremiere. Er wird vor allem in Programmkinos laufen. Es ist ein deutsch-kenianischer Film, der in der Turkana-Region auf Initiative von Prinz Ludwig und seinen Learning Lions gedreht wurde. Der Kinofilm erzählt die Geschichte der 13jährigen Nawi, die nach alter und verbotener Tradition zwangsverheiratet werden soll, wie es in Afrika leider oft noch üblich ist. Die Familien bekommen für ihre jung verheiratete Tochter Ziegen, Kühe und Kamele geschenkt. 


Wir waren mit den Hauptdarstellern des Films an den Drehorten unterwegs. Die heute 15jährige Michelle Lemuya Ikeny in der Hauptrolle ist eine faszinierende junge Frau, die uns zwei Tage lang begleitet und begeistert hat. Ich durfte den Film schon sehen und er hat mich begeistert. Missio München, mit denen wir hier sind, wird den Film im Kampf gegen die Zwangsheirat einsetzen. 


Reisen verändert den Blick auf zuhause

Diese Art des Reisens begeistert mich. Ich kann tiefer einsteigen in die Länder und Themen. Reisen verändert den Blick auf zuhause. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen, sei es in Kenia oder Tansania wird mir wieder einmal bewusst, wie komfortabel wir hier im Wohlstand leben und wie klein viele Probleme sind, die in unserer Gesellschaft groß geredet werden. 

Meine Gesprächspartner in Kenia und Tansania fragen immer wieder, warum die westlichen Medien zumeist nur über Konflikte, Kriege und Krisen in Afrika berichten. Das ist tatsächlich eine sehr gute Frage. Wir kennen das alte Motto, dass sich schlechte Nachrichten besser verkaufen als Gute. Doch immer mehr Medien bringen mittlerweile auch ganz bewußt gute Nachrichten. Das ist ein guter Ansatz und ich trage gerne diese Hoffnungsgeschichten dazu bei. 

Das Hochwasser und die Folgen

Wie aus dem Nichts ist das Wasser plötzlich da. Ich stehe in Baar-Ebenhausen am Beginn der Parkstraße. Eben ist die Straße noch trocken. Doch innerhalb weniger Minuten wird sie komplett geflutet. Woher das Wasser kommt, kann ich nicht sehen. Aber es kommt sehr schnell. Es ist der Sonntag, 2. Juni 2024. Zum Glück sind die Menschen in Alarmbereitschaft, der Katastrophenalarm wegen des drohenden Hochwassers gilt bereits. Die Menschen verlassen die Straße, wer kann fährt noch sein Auto heraus. Nach 15 Minuten steht hier alles unter Wasser. Ältere Mitbürger werden mit einem Traktor gerettet. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen.

Später stellt sich heraus, dass ein Damm der nahen Paar gebrochen ist. Die Schäden in Baar-Ebenhausen und dem nahen Reichertshofen sind enorm. Eigentlich sollte ich für das BR Fernsehen zum Pressetermin mit Ministerpräsident Markus Söder am Feuerwehrhaus in Reichertshofen. Doch die Straßen dorthin sind bereits geflutet. Und so drehte ich für das BR Fernsehen in Baar-Ebenhausen und in Manching Bilder der Hochwasserkatastrophe. Ich fahre auf einer Brücke über die Autobahn A9 – sie ist leer und gesperrt, weil Teile der Fahrbahn überschwemmt wurden. 

Die leere A9 als Symbol für das Hochwasser und die Klimakatastrophe.
Land unter in Schrobenhausen

Die Paar ist in normalen Zeiten ein gemütliches Gewässer. Doch in diesen Tagen ist sie in unserer Region in der Folge des Starkregens der letzten Tage Auslöser für die Hochwasserkatastrophe. Weiter nach Schrobenhausen. Die Innenstadt ist kaum wieder zu erkennen. Der grüne Stadtwall, der gemeinsam mit dem Bürgermeister-Stocker-Ring die Altstadt umgibt, steht vollkommen unter Wasser. Nur ein schmaler Weg schaut noch auf der Dammkrone heraus. Als ich dort um die Altstadt laufe, wird das ganze Ausmaß der Hochwasserkatastrophe deutlich. Ungezählte Wohnungen, Läden, Arztpraxen und dutzende Autos stehen unter Wasser. Die Türen der evangelischen Kirche sind geöffnet, Wasser strömt heraus. Und dann das Pflegeheim St. Georg. In der Nacht von Samstag auf Sonntag mussten die Bewohnerinnen und Bewohner evakuiert werden. Wenige Tage später stellt sich heraus, dass das Wasser das Pflegeheim für längere Zeit unbewohnbar gemacht hat. Mein Online-Artikel für den BR.

Völlig zerstört ist auch der Keller der Familie Hammer, die nahe der Altstadt von Schrobenhausen wohnt. Ich lerne sie am Dienstag nach der Katastrophe kennen. Mittlerweile steht fest, dass Schrobenhausen mehr als ein sogenanntes Jahrhunderthochwasser ereilt hat. Bei Christine und Thomas Hammer kann man die Macht des Wassers erahnen. Sie räumen gerade mit Freunden ihren völlig zerstörten Keller aus. Sie haben dort ihr Büro gehabt, eine Werkstatt, die Heizung, die Technik für die PV-Anlage – alles zerstört. Ihr Schicksal und das von anderen haben wir für die BR24 Vor Ort Reportage „Nach dem Hochwasser – Räumen, Kämpfen, Hoffen“ – siehe oben – dokumentiert. 

Spontane Hilfe aus dem Ahrtal

Ich bin Christine und Thomas sehr dankbar, dass sie mich in ihr Haus gelassen haben. Das ist längst nicht selbstverständlich, denn in einer Situation wie dieser hat man alles andere zu tun als Journalisten die Folgen der Katastrophe zu zeigen. Doch sie haben es dankenswerterweise getan. Sie sind tapfer und als ich sie am Samstag darauf noch einmal besuche sind sie schon wieder viel optimistischer. Unzählige Freunde helfen ihnen. Und zum Glück ist das Wasser an der Kante zum Erdgeschoss stehen geblieben. Hoffentlich können der Estrich und der Fußboden im Haus bleiben, wenn alles richtig getrocknet ist. Schon laufen die großen Trockner in ihrem Haus, die ein Schrobenhausener, der mittlerweile im Ahrtal wohnt, spontan per Transporter in großer Zahl vom früheren Katastrophengebiet in das aktuelle Katastrophengebiet gebracht hat. Ein paar Fotos aus ihrem Haus. 

Pichl, Manching und unglaubliches Engagement

Am Montag, 3. Juni bin ich in Manching unterwegs. Auch hier ist es das Hochwasser der Paar, das die die Orte massiv bedroht. Früh am morgen ist ein von der Feuerwehr und vielen Helfern extra aufgebauter Damm nahe Pichl, einem Ortsteil von Manching gebrochen. Innerhalb von zwei Stunden sind fünf Straßen komplett überflutet. Schicksale und große Schäden auch hier. 

Manching selbst kann mit unglaublich viel Engagement gehalten werden. Beeindruckend wie am Feuerwehrhaus hunderte Helferinnen und Helfer Sandsäcke befüllen. Und viele andere Helfer stapeln sie an der Paar auf, die – so sieht man es auf meinen Bildern – schon höher steht als die Helfer selbst. Meine Eindrücke vom Tag in Pichl und Manching sind Teil der BR-Reportage „Die Flut in Bayern“. Und unter diesem Link bei 11:00 

Viele Fragen nach dem Hochwasser

Das Hochwasser und seine Folgen werden uns noch lange beschäftigen. Ja man hat aus früheren Hochwassern gelernt. Zum Beispiel in meiner Heimatstadt Neuburg an der Donau, wo nach dem Pfingst-Jahrhunderthochwasser von 1999 ein Hochwasserschutz für 22 Millionen Euro gebaut wurde, der bei diesem Hochwasser seine Leistungsfähigkeit bewiesen hat. In Schrobenhausen plant man ebenfalls seit Jahrzehnten Hochwasserschutz. Gebaut wurde er bis heute nicht. Die Diskussion ist jetzt natürlich noch einmal sehr stark entbrannt.

Und viele bewegt auch die Frage, warum der Polder in Riedensheim bei Neuburg nicht geöffnet wurde.In einem Beitrag für die BR Abendschau und einem Online-Artikel habe ich diese Frage beantwortet. 

Gehören zusammen: Europa und die Migration

Die Geschichte Europas ist über viele Jahrhunderte eine Geschichte der Ein- und Auswanderung. Spannende Ergebnisse hat das Projekt „Evangelische Migrationsgeschichte(n) gebracht. Zehn evangelische Museen in Europa haben sich dafür zusammengetan. Wichtigste Erkenntnis: die Geschichte der Evangelischen ist über die Jahrhunderte bis heute eine Geschichte der Migration. Was haben Vertreibung, Flucht und die neue Heimat mit den evangelischen Christen gemacht? Wie hat das ihr Leben und ihre Religiosität beeinflusst? Die bild-schön medienproduktion durfte das spannende Projekt filmisch begleiten. Herausgekommen ist unter anderem eine umfangreiche Filmdokumentation. 

Hugenotten aus Frankreich

Eine andere große Gruppe evangelischer Migranten in Europa sind die Hugenotten, die französischen Protestanten. Zunächst hatten sie dank des „Edikt von Nantes“ viele Rechte. König Ludwig XIV. widerrief das Edikt 1685 und daraufhin wurden viele Hugenotten blutig verfolgt, es gab Folter und Massaker. Viele flüchteten u.a. nach England, in die Niederlande, in die Schweiz, nach Amerika und nach Deutschland. Viele Hugenotten kamen im 17. Jahrhundert auch nach Franken, wo sie die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth freundlich empfingen, weil sie sich wirtschaftliche Vorteile von ihnen versprachen. Doch diese Vorteile – zum Beispiel durch die Ansiedlung von Handschuhmachern in Erlangen fielen geringer aus als erhofft. Und die Einheimischen beschwerten sich über die neuen Mitbürger. 

Schwerpunkt Franken

Aber nicht nur viele Hugenotten kamen nach Franken. Auch Exulanten ließen sich hier nieder. Im 19. Jahrhundert – eine Zeit großer Armut – verließen aber auch viele Menschen Franken und gingen mit Unterstützung des evangelischen Pfarrers Wilhelm Löhe nach Nordamerika und blieben dort. Noch heute erinnert die Ortschaft Frankenmuth in Michigan an die Flüchtlinge. 

"Fremde" im 20. und 21. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurden schließlich Deutsche zu „Fremden“. Reisende Handwerksgesellen, Wanderarbeiter und wohnungslose Männer, die zum Beispiel im Diakoniedorf Herzogsägmühle bei Peiting in Oberbayern aufgenommen wurden. 

Nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde vertriebene Deutsche zu „Fremden“. Das ändert sich erstmals als 1956 vertriebene Ungarn nach Deutschland kamen. Später kommen Gastarbeiter aus der Türkei und Griechenland nach Deutschland. Asylbewerber, wie wir sie heute kennen, kommen erst ab den 1970er Jahren zu uns und sind damit – historisch gesehen – ein relativ junges Phänomen. 

Begleitband und Ausstellung

Die Forschungen und Erkenntnisse zum Projekt sind in dem umfangreichen wissenschaftlichen Begleitband „Evangelische Migrationsgeschichte(n)“ veröffentlicht worden. Auf knapp 3000 Seiten bietet das Buch einen umfangreichen und spannenden Einblick in die Migration über viele Jahrhunderte bis heute. Der Begleitband ist im Kunstverband Fink erschienen und kann dort oder in den beteiligten Museen erworben werden. Die Forschungen sind auch in einer gemeinsamen Ausstellung zusammengefasst worden. Die Ausstellung, die ihre Premiere im Stadtmuseum Fembohaus in Nürnberg feierte, erzählt die Lebensgeschichten von protestantischen Migrantinnen und Migranten aus fünf Jahrhunderten. Sie kann aus geliehen und an anderen Orten gezeigt werden. 

Die Arbeitsgemeinschaft Museen im Evangelischen Raum lenkt mit dem Gemeinschaftsprojekt den Blick von der Vergangenheit in die Gegenwart. Auch heute gibt es große Flüchtlingsbewegungen – nicht nur in Europa. Sie sind auch Teil der Migrationsgeschichte.

Tansania und Bayern – eine lebendige Partnerschaft

Die Freude und Fröhlichkeit steckt an. Der Chor der Massai-Gemeinde begrüßt uns singend in der Steppe im Norden Tansanias. Wir Gäste bekommen ein Kreuz als Begrüßungsgeschenk umgehängt. Es erinnert mich täglich an diesen besonderen Sonntag in der Sichtweite des Kilimanjaro.

Die Gemeinde gehört zur ELCT – zur Evangelisch Lutherischen Kirche in Tansania. Und die ist seit Jahrzehnten Partner der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Der Gottesdienst findet in der neu gebauten Kirche mit dem Namen Jerusalem statt. Sie ist noch nicht ganz fertig, doch das Wellblech-Dach – mitfinanziert von den Partnern in Bayern – ist schon drauf und schützt vor der Sonne. Eine einfache Kirche, begeisternde Christen mit einem sensationellen Chor und der engagierte Evangelist Humphrey Mushi – mehr braucht es nicht für einen für mich unvergesslichen Gottesdienst. Humphrey hat an diesem Tag vier Gottesdienste und besucht sie – wie es in Tansania üblich ist – per Motorrad. So kommt er gut durch die Steppe zu seinen Gemeinden.

Eine Kirche mit vielen Aufgaben

Vier Tage lang reise ich mit Monika Caspary durch die Region rund um den Kilimanjaro. Sie ist die Ansprechpartnerin von Mission EineWelt vor Ort – dem Centrum für Partnerschaft, Entwicklung und Mission der Evangelischen Kirche in Bayern. Mission EineWelt betreibt in Tansania keine eigenen Projekte, unterstützt aber auf Anfrage Projekte der Partner vor Ort. 

Und die Projekte und Aufgaben sind sehr vielseitig, davon kann ich mich im Auftrag von Mission EineWelt selber überzeugen. Zu den Aufgaben gehört unter anderem die Krankenversorgung. Wir besuchen das Selian Lutheran Hospital nahe Arusha. Die Kirche betreibt 24 Krankenhäuser im ganzen Land und damit rund ein Fünftel der Einrichtungen in Tansania, erklärt uns der leitende Bischof der ELCT Fredrick Shoo. 

Im Krankenhaus berichtet uns der leitende Arzt Dr. Marco Elibariki, dass viele Menschen in Tansania keine Krankenversicherung haben. Wer ein geringes Einkommen oder keine Arbeit hat, der hat keine Versicherung. Doch in den kirchlichen Krankenhäusern wird allen Patienten geholfen. Finanziell unterstützt wird diese Arbeit von den vielen Partnerkirchen der ELCT auf der ganzen Welt. 

Die Kirche wächst

Mit rund neun Millionen Mitgliedern ist die ELCT eine der größten lutherischen Kirche weltweit, so der Bischof. Die 27 Diözesen sind über das ganze Land verteilt. Für die Gesellschaft in Tansania spielt die Kirche eine große Rolle bei den aktuellen Herausforderungen. Die sind sehr vielfältig.

So betreibt die Kirche zum Beispiel die Faraja-Farm im Hochland nahe dem Mount Meru. Dort macht den Mitarbeitern die Klimakrise und die große Trockenheit zu schaffen. Deshalb experimentiert man dort jetzt mit dem Anbau von Avocados – jede Pflanze wird einzeln per Leitung bewässert. Die Folgen der Klimakatastrophe sind in Tansania immer stärker zu spüren. Zur Farm gehört auch die Diakonenschule der ELCT – in Partnerschaft mit der Rummelsberger Brüderschaft. Und die Diakone engagieren sich zum Beispiel in fünf Tageseinrichtungen für junge Menschen mit Behinderungen. 

Mit jungen Menschen mit Behinderungen wird auch im Ort Usa River gearbeitet. In einem Zentrum der Kirche können die jungen Menschen hier eine weiterführende Schule besuchen oder eine handwerkliche Ausbildung machen. Nicht weit entfernt ist in Makumira die große theologische Hochschule der ELCT. Ungewöhnlich für uns – in der theologischen Hochschule kann man auch Jura oder Erziehungswissenschaften studieren. Die Theologie ist die kleinste Fakultät. 

Ich erlebe bei meiner Rundreise im Januar 2023 eine selbstbewußte, wachsende und sehr vielseitige lutherische Kirche. Für viele Menschen in dem aufsteigenden Land mit all seinen Problemen bedeutet die Kirche Hoffnung. Im Auftrag von Mission EineWelt habe ich einen Film über die lebendige Kirche in Tansania und die Partnerschaft produziert.