Ein bild-schöner Jahresrückblick 2022

Abwechslungsreich – das war das Jahr 2022 für die bild-schön medienproduktion. Unsere Heimatregion rund um Neuburg an der Donau rückte dabei in den Mittelpunkt. Die aufwendigste Produktion war der Imagefilm zum 50. Jubiläum des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen. Aus dem Pressetext: „Der Landkreis hat seinen neuen Imagefilm beim Neuburger Filmemacher Axel Mölkner-Kappl in Auftrag gegeben. In dem vierminütigen Film nimmt der Fernsehjournalist die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf eine Reise durch den abwechslungsreichen Landkreis. So sind darin viele Dörfer und Städte des Landkreises ebenso zu sehen wie das Donaumoos oder die Donauauen beim Schloss Grünau und bei Bertholdsheim. Die Bürgerinnen und Bürger des Landkreises kann man am Arbeitsplatz, bei kulturellen Veranstaltungen im Birdland Jazz Club, beim Neuburger Schlossfest, im Haus im Moos, bei einer Feuerwehrübung oder in den Bildungseinrichtungen am Campus, im Förderzentrum oder der Paul-Winter-Schule erleben. Auch der Schrobenhausener Spargel, das Landratsamt oder Ausflugsziele wie das Urdonautal dürfen in dem Film nicht fehlen.“ 

Und noch ein Film zu den Landschaften des Landkreises.

Eine Landschaft aus unserem Landkreis – das Donaumoos – und die Debatte ob Photovoltaik-Anlagen zum Moorschutz dienen, hat es sogar in die Tagesthemen geschafft. Außerdem noch mein vertiefter Blog-Beitrag zum Thema.

Journalistisch-kritisch begleite ich die Entwicklung der großen Verkehrsprojekte in unserer Region: der Ausbau der B16 zwischen Manching und Neuburg, das geplante DHL-Paketzentrum im Landschaftsschutzgebiet bei Weichering und die Auswirkungen auf die Verkehrsentwicklung sowieso die geplante Ostumgehung mit zweiter Donaubrücke durch ein FFH-Schutzgebiet in Neuburg an der Donau. Sollten die Projekte realisiert werden, wird sich die Region dramatisch verändern. Natur, Umwelt, Klimaschutz und Verkehrswende werden bei diesen Projekten aus meiner Sicht übergangen. Trotz dramatischer Klimakrise und Artensterben werden Trassenverläufe durch strenge Schutzgebiete geplant. Alternativen wie der Ausbau des Radverkehrs und des Öffentlichen Nahverkehrs werden völlig vernachlässigt. 

In der BR Abendschau fand unsere Region großes Interesse – seit Beginn des Krieges Russlands gegen die Ukraine rückte das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg mit seinen Übungen im Pazifischen Raum und der Überwachung der NATO-Außengrenzen in Rumänien in den Blickpunkt. Eine Auswahl der Beiträge in meiner YouTube-Playlist

Es wurde oft gesagt, aber leider ist es wahr: der 24. Februar 2022 hat die Welt verändert, weil Wladimir Putin grundlos und brutal gegen das Nachbarland Ukraine Krieg führt. Ein Besuch 2010 in Odessa am Schwarzen Meer und die Freundlichkeit der Menschen bleibt mir unvergessen. Ebenso auch meine fünf Reisen in Erlangens russische Partnerstadt Wladimir. Meine Ukraine-Playlist u.a. mit einem Besuch bei Theo Waigel und mit seinen Erinnerungen. Außerdem konnte ich Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei seinem kurzfristigen Besuch an der ungarisch-ukrainischen Grenze begleiten. 

Vor allem waren es die menschlichen Begegnungen, die mich in diesem Jahr begeisterten. Bei der Ausstellungsreihe „unendlich still“ des Kunstreferats der Evangelischen Landeskirche auf sechs evangelischen Friedhöfen in Bayern traf ich altbekannte und lernte neue Künstler kennen. Eine tolle Kunstaktion.

Unter den vielen Begegnungen möchte ich eine herausheben: Ceren Oran, Tänzerin und Choreografin aus München. 1984 in Istanbul geboren, kam sie über Salzburg nach München, wo sie die Tanzszene stärkt und bereichert. So die Begründung der Stadt München, die ihr in diesem Jahr den Förderpreis Tanz zuerkannt hat. Ein kleiner Überblick über ihre Arbeit in einem Beitrag aus der BR Abendschau im August 2022. 

Ich empfehle meinen YouTube-Kanal mit weiteren Filmen, u.a. dem auch für mich ungewöhnlichen Imagefilm für den Hospziverein Neuburg-Schrobenhausen für weitere Entdeckungen. Oder das Lucia-Konzert des Schwedischen Chores München

Auch 2023 verspricht spannend zu werden. Die Schwerpunkte der nächsten Monate: ich entdecke bei einer abwechslungsreichen Filmreise im Januar Tansania! Im Februar und März dreht sich alles um die Wahl der oder des nächsten Landesbischöfin/Landesbischofs der Evangelischen Landeskirche in Bayern. Und der Frühsommer bringt mich für ein Filmprojekt in die alte Heimat – die Fränkische Schweiz.

Ein Lichtblick: die Lichtkünstlerin Inge Dick

„Das Licht ist unfassbar“, sagt Inge Dick. Und doch gelingt es der Malerin und Fotografin das Licht „einzufangen“. Und wer sich mit ihrem Werk beschäftigt, der versteht mehr vom Licht, seiner Kraft und vor allem von seiner unendlichen Farbenvielfalt.

Auch mich beschäftigt das Licht und seine Wirkung in meinen Fotografien und Filmen immer stärker. Licht ist ein großes Stilmittel, wenn man es mutig einsetzt.  Und Mut hat Inge Dick in ihrem Leben besessen. Jetzt ist sie 80 Jahre alt, hat den Österreichischen Kunstpreis für Künstlerische Fotografie bekommen. Unermüdlich ist sie kreativ und setzt neue Ideen um. Ich hatte das große Glück und die Freude sie dank des Ingolstädter Museums für Konkrete Kunst (MKK) in ihrer Heimat am Mondsee in Österreich besuchen und für die Ausstellung „raum licht zeit“ filmisch zu porträtieren. 

Ohne Licht gäbe es kein Leben“, sagt Inge Dick. Ohne Licht hätten wir keine Nahrung, es wächst nichts ohne Licht, die ganze Buntheit würde fehlen: „Ich kann mir das überhaupt nicht vorstellen.“ Von Inge Dick kann man viel über das Licht lernen. In ihrem Werk, das jetzt in Ingolstadt gezeigt wird, hat sie das Licht in seine einzelnen Farben zerlegt. Und dabei macht sie das Unsichtbare sichtbar. Faszinierend!

Mit ihrem „Jahreslichtprojekt“ ist sie jetzt im Museum für Konkrete Kunst und Design (MKK) in Ingolstadt zu sehen (bis 5. Dezember 2021). Das Projekt ist so einfach wie genial und vorläufiger Höhepunkt einer jahrzehntelangen Entwicklung von Inge Dick. Sie hat in einem puren weißen Raum eine weiße Fläche über mehrere Tage mit einer festen Blende und einem festen Weißabgleich gefilmt. Und das jeweils in den vier Jahreszeiten. Sie selbst war völlig begeistert, wie gewaltig das Farbenspektrum unseres Lichts ist. Das hat sie festgehalten und dabei hunderte unterschiedlicher Farben als „Stills“, also als Standbilder erhalten. Und aus diesen hat sie Farben ausgewählt und künstlerisch in unterschiedlichste Bilder umgesetzt:  herbst licht weiss, sommer licht weiss, winter licht weiss, frühling licht weiss heißen die Arbeiten, die in Ingolstadt in vielfältigen Formen zu sehen sind. 

Für Simone Schimpf, langjährige Direktorin des MKK, ist das Faszinierende an Inge Dicks Arbeiten, dass sie etwas sichtbar machen, was wir mit unserem Auge nicht wahrnehmen können. Wir spüren zwar wie sich das Licht verändert, sagt sie, aber wir werden die einzelnen Farbtöne, die Inge Dick zeigt, nie genau beschreiben können. „Das ist immer wieder unglaublich überraschend, wenn ich davor stehe. Das soll eine weiße Wand sein, die abgefilmt worden ist und hat diese Farbigkeit. Das Verrückte ist, dass alle Farben dabei sind außer Weiß und Schwarz. Es berührt uns so tief, weil wir hier Licht ganz anders erleben.“ Das MKK, das Simone Schimpf nach dieser Ausstellung verlässt, weil sie in Nürnberg Direktorin des Neuen Museums geworden ist, ehrt Inge Dick: sie gehört dauerhaft zu den Künstlerinnen der Stiftung des MKK – eines ihrer Werke wurde für die Ingolstädter Sammlung angekauft. 

Der Film zur Ingolstädter Ausstellung.

Zuhause ist Inge Dick am Mondsee in Österreich. In einem alten Bauernhaus hat sie dort, wo einst das Heu gelagert wurde, ein lichtdurchflutetes Atelier mit Blick über den Mondsee. Es ist nicht der See und die gegenüberliegende Drachenwand, die ihre Arbeiten bestimmen, es sind die Lichtstimmungen, die dort herrschen. „Woanders würden die Arbeiten anders werden“, sagt Inge Dick.

Ihre Leidenschaft für die Kunst hat Inge Dick schon sehr früh erkannt. Ihre Mutter war Graphikerin und Malerin. Und Inge hat ihr zugesehen und hat sich gedacht, ich möchte auch Malerin werden. Der Lebenstraum ist in Erfüllung gegangen. Inge Dicks Mutter stirbt als sie zehn Jahre alt ist. Ein abwechslungsreicher Lebenslauf, mit nur zwei Semestern auf der Akademie in Wien, weil dann ihre beiden Kinder geboren werden. „Ich bin überzeugt, dass man einen Schutzengel hat“, sagt Inge Dick. Nach der Scheidung von ihrem ersten Mann kommt sie schließlich mit ihrem zweiten Mann Rolf an den Mondsee, wo sie bis heute den Bauernhof seiner Familie bewohnen. Die Landwirtschaft haben sie mittlerweile auf die Zucht von Isländer-Pferden umgestellt. In Österreich hat sie auch sakrale Kunst für Kirchen oder einen Meditationsraum in Salzburg geschaffen.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich Inge Dick bei einem zweitägigen Besuch bei ihr am Mondsee und beim Aufbau der Ausstellung in Ingolstadt kennenlernen durfte. Meinen Blick auf das Licht und die Farben und die Zeit hat sie geschärft. Und dann gab es noch einen kleinen persönlichen Höhepunkt. Inge Dick hat uns in Neuburg an der Donau besucht – nun ist unsere Pizza zur Kunst erhoben!

Das Herzensprojekt „7 Kapellen“

Aus Holz müssen sie sein und ein Kreuz müssen sie haben. Mit diesen beiden schlichten Vorgaben beflügelte die Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung die Phantasie von sieben renommierten Architekten. Herausgekommen ist das Projekt „7 Kapellen“ mit außergewöhnlichen und zum Teil spektakulären Kirchenbauten. Auch die besonderen Standorte in der Natur gehören zum Erfolgsrezept. Entstanden sind sie im Landkreis Dillingen an der Donau, ganz im Westen von Bayern, nicht gerade der Nabel der Welt. Und dennoch gelang es den Initiatoren Architekten wie den Briten John Pawson und den Deutschen Volker Staab ins Boot zu holen. Wer sich für Architektur interessiert und für kontemplative ruhige Orte, der sollte die „7 Kapellen“ besuchen.

Von 2018 bis 2020 wurde nach passenden Standorten in der freien Landschaft im weitläufigen und dünn besiedelten schwäbischen Landkreis Dillingen gesucht. Es wurde geplant, konstruiert, gefertigt, aufgebaut und geweiht. Ein Projekt, das unter einem guten Stern stand. Ein Projekt mit ganz viel Segen! 
















Wetterlage, Tageszeit und Lichtstimmung

Für viele Beteiligte war es ein „Herzensprojekt“, wie Alexander Gumpp vom Holzbauunternehmen Gumpp & Maier aus Binswangen es nennt. Seine Firma hat die Entwürfe der Architekten umgesetzt und gebaut. Für Projektleiter Alfred Bühler von Gumpp & Maier, den schwäbischen Bezirksheimatpflegern (bis 2020) Peter Fassl, von dem die Idee stammt, und für Stifterpersönlichkeit Siegfried Denzel (89) ist es ein „Herzensprojekt“ geworden. Er wollte nach einem erfolgreichen Leben als Unternehmer mit seiner Frau Elfriede etwas Bleibendes schaffen. Nahm zunächst eine Million Euro in die Hand – die am Ende für das Projekt nicht gereicht haben – und überzeugte mit seinen Mitstreitern Architekten Kapellen zu entwerfen. Für viele von ihnen war es die erste Kapelle in ihrem Leben. 

Ich bin im Sommer 2019 auf das Projekt gestoßen und habe seitdem den Bau von vier der sieben Kapellen umfangreich mit der Kamera und dem Herzen begleiten können. Denn auch für mich ist es ein Projekt mit viel Leidenschaft geworden. Jeder Besuch bei einer der Kapellen ist etwas Besonderes. Und ich freue mich darauf, sie immer wieder in Ruhe zu sehen, wahrzunehmen, zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten, Wetterlagen und Lichtstimmungen. Denn genau das ist der Reiz der „7 Kapellen“. Diese Orte zum Innehalten, Nachdenken und Beten ganz unterschiedlich zu erleben. Da sie immer geöffnet und schlicht gehalten sind, kann man den Ort immer wieder anders erleben. Und: es sind nicht nur Orte für Christen. Jeder kann sie besuchen, ob er glaubt oder nicht und egal welcher Konfession oder Weltanschauung er angehört. Ganz bewußt wurde – bis auf das Kreuz – auf große religiöse Symbolik verzichtet. Das Holz und die Konstruktion spricht für sich.

Kapelle Oberthürheim von Christoph Mäckler

Kurz vor Weihnachten 2020 wurde als letzte die Kapelle bei Oberthürheim fertiggestellt. Entworfen hat sie der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler. Er orientierte sich als einziger Architekt an der Form einer klassischen Kirche. Durch den Baustoff Holz, das Kreuz und rund 170 kleine, zehn mal zehn Zentimeter großen Fenster, ist wieder eine außergewöhnliche, keineswegs klassische Kapelle entstanden. Sie steht am Rande des Donauried, einer weitläufigen landwirtschaftlich geprägten Flusslandschaft im Landkreis Dillingen.


Standort der Kapelle Oberthürheim
































Beitrag aus der Abendschau im BR Fernsehen im Dezember 2020.

https://youtu.be/KhtJWhudcGs

Kapelle Ludwigschwaige von Alen Jasarevic

An betende Hände hat Architekt Alen Jasarevic gedacht, als er die Kapelle an der Ludwigschwaige bei Buttenwiesen entworfen hat. Ein spitz aufragender beeindruckender Bau inmitten freier Natur an einem Waldrand erwartet die Besucher. Ganz besonders auch der Innenraum. Bildhauer Josef Zankl hat mit einem Schnitzeisen geschätzte zwei Millionen Kerben in das weiche Holz der Weißtanne geschnitzt. Und je nach Sonnenstand verändert sich die Stimmung in der Kapelle. Das Licht kommt von einer Öffnung am oberen Ende der Kapelle – in der Öffnung findet sich auch das Kreuz. Für viele Besucher eine der gelungensten der 7 Kapellen.


Links zur Kapelle Ludwigschwaige
































Kapelle Oberbechingen von Frank Lattke

Einen der schönsten Innenräume hat die Kapelle von Architekt Frank Lattke bei Oberbechingen ganz im Westen von Bayern. Das Kreuz im Inneren wird nur durch schmale seitliche Glasfenster beleuchtet. Und von Außen wirkt vor allem die Tatsache,  dass der Architekt mit einem besonderen Dachfirst über der Diagonalen spielt.  Die Kapelle liegt am Rande des Naturschutzgebietes Dattenhauser Ried. 


Link zur Kapelle Oberbechingen
























Ein Ausflugstipp von www.bayern-evangelisch.de (Evangelische Landeskirche in Bayern) von Juli 2020.

https://youtu.be/f7RLpk7wKkY

Kapelle Unterliezheim von John Pawson

Schlicht und spektakulär ist die Kapelle bei Unterliezheim, entworfen vom berühmten britischen Architekten John Pawson. Er hatte bereits die Moritzkirche in Augsburg umfangreich renoviert und so konnte der Augsburger Dekan Helmut Haug den Kontakt zu John Pawson herstellten. Bei seiner Kapelle hat er sich an einem großen Holzstoß orientiert. Und so vermutet man beim Blick aus der Ferne einen Holzstapel am Waldrand. Für die Kapelle wurden 40 Douglasien jeweils mit einer Länge von 12,5 Metern verarbeitet. Für mich einer der Höhepunkte unter den 7 Kapellen.


Link zur Kapelle Unterliezheim
























Ein Ausflugstipp für RTL/TV Bayern im August 2020 mit spannenden Interviews mit Dekan Helmut Haug aus Augsburg und Landwirt Franz Mayer von der Ludwigschwaige.

https://youtu.be/LS_awRr6O1I

Kapelle Kesselostheim von Staab Architekten

Zeitgenössische, moderne Architektur in Holz – so wie man sie im schwäbischen Kesseltal garantiert nicht erwartet. Entworfen wurde die Kapelle bei Kesselostheim vom berühmten Architekten Volker Staab und seinem Team in Berlin. Auch für ihn, von dem unter anderem das neue Museum in Nürnberg oder die Synagoge in Regensburg stammen, ein außergewöhnliches Projekt. Zum ersten Mal in seinem Berufsleben, so Volker Staab bei der Einweihung, durfte er den Standort selber aussuchen. 33 Tonnen Holz und zwei Tonnen Stahl wurden für den 14 Meter hohen Turm verwendet. Wer im Inneren steht und nach oben sieht, erblickt das Kreuz am Himmel. Eine Kapelle vor allem für schönes Wetter, denn bei Wind und Regen ist es im Inneren eher ungemütlich.


Link zur Kapelle Kesselostheim
























Beitrag aus der Abendschau im BR Fernsehen im September 2020.

https://youtu.be/sgmS74DxNoc

Kapelle Emersacker von Wilhelm Huber

Bei Emersacker steht die Kapelle von Architekt Wilhelm Huber. Sie entfaltet ihre Wirkung vor allem durch drei blaue Glasfenster ganz oben in der Kapelle. Durch sie fällt starkes blaues Licht auf das Kreuz und die Besucher und taucht die Kapelle in eine ganz besondere Stimmung.


Link zur Kapelle Emersacker












Kapelle Gundelfingen von Hans Engel

Als erste Kapelle wurde 2018 die von Hans Engel bei Gundelfingen fertig gestellt. Sie steht nahe dem Kernkraftwerk Gundremmingen und lädt mit Sprüchen von Philosophen und Weltreligionen zum Nachdenken ein – auch wegen der Nachbarschaft zum Atommeiler. „Alles was gegen die Natur ist, hat keinen Bestand“, wird hier Charles Darwin zitiert. 


Links zur Kapelle Gundelfingen












Beitrag aus der Abendschau im BR Fernsehen im Septemter 2019.

https://youtu.be/2znm0AIPWKI

7 Kapellen – offizielle Website

#messerindertasche: Aiwanger

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und journalistisches Gespür. Diese Kombination war es, durch die mein Mitschnitt einer Rede von Hubert Aiwanger (Freie Wähler) einige Tage bayerische und auch nationale Medien beherrschte. In Rundschau und Abendschau und bei BR24 machten wir die, wie ich finde unverantwortliche Aussage des stellvertretenden Bayerischen Ministerpräsidenten öffentlich. Wohlgemerkt war es kein Kommunalpolitiker oder Hinterbänkler, der diese Aussage gemacht hat: „Ich bin überzeugt, Bayern und Deutschland wären sicherer, wenn jeder anständiger Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche haben dürfte und wir würden die Schwerkriminellen einsperren.“

Hubert Aiwanger, Wirtschaftsminister, sagte das bei der Eröffnung der Internationalen Jagd- und Schützentage auf Schloss Grünau am Freitag, 11. Oktober 2019. Normalerweise verbreiten Grußworte von Ministern bei Veranstaltungen wie dieser eher Langeweile und ich schneide sie nicht mit. Doch hier wurde mir schnell klar, dass Aiwanger seinen Jägerfreunden etwas beweisen wollte. Und so filmte ich die Rede, die nicht nur wegen dieses Zitats unverantwortlich war. Aiwanger nutzte den Auftritt, um gegen alle, die anders denken und ticken als er zu polemisieren. Weitere Zitate:

„Wir müssen uns jetzt öffentlich noch mehr gegen diese Spinner zur Wehr setzen. (…) Wenn dann die Veganer uns angreifen, dann gehen wir mal gemeinsam drauf und sagen wir, wovon lebst denn Du überhaupt. Du lebst doch gar nicht gesund, schau Dich doch mal an. Meistens sieht man es ja schon am Aussehen an.“

„Die Natur braucht mehr denn je eine ordentliche Begleitung. (…) Und das sind nicht radikale Klimademonstranten, die sich auf die Straße setzen, sondern das sind die Jägerinnen und Jäger.“

Große Resonanz in den Medien

Viele Medien griffen das Messer-Zitat Aiwangers auf. Und es gibt daran nichts zu deuten: Aiwanger rief zur Bewaffnung und Selbstverteidigung auf. Anständige Bayern dürfen das, so sein martialisches historisches Weltbild. Gerade in Zeiten, in denen der Ton rauher wird, eine unverantwortliche Aussage. Die Kommentare der Opposition und der Medien waren eindeutig.

https://www.br.de/mediathek/video/aiwanger-bei-eroeffnung-der-jagdmesse-uebers-ziel-hinausgeschossen-av:5da49c6ae364e900134aebfe

Der BR im Online-Auftritt am 14. Oktober: „Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze beklagte, Aiwanger inszeniere sich derzeit als volkstümlicher Bierzeltminister. „Seine Empfehlung an die Bayerinnen und Bayern, im Alltag ein Selbstverteidigungsmesser mitzuführen, ist nicht nur dumm, sondern auch gefährlich“, sagte sie dem BR.

Es sei Aufgabe der Polizei, für Sicherheit auf den Straßen und Plätzen zu sorgen; sie habe das Gewaltmonopol. „Wer zur Selbstbewaffnung der Bürgerinnen und Bürger aufruft, redet einem Faustrecht das Wort.“

https://www.br.de/nachrichten/bayern/aufruf-zur-selbstbewaffnung-kritik-an-aiwanger-aussage,ResH5UO

Und am 15. Oktober zitiert der BR die Polizeigewerkschaft: „Kritik am Aiwanger-Zitat kam auch von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Bayern. Deren Landeschef Rainer Nachtigall betonte, die Sicherheitslage in Bayern sei – auch dank der Polizei – so gut, dass „wir als DPolG Bayern nichts von dem Vorschlag von Hubert Aiwanger halten“. Viel wichtiger wäre laut Nachtigall, erst einmal ein „Lagebild Messerangriffe“ zu erstellen, „ob überhaupt so viele Messerangriffe stattfinden oder ob es nur ein subjektives Gefühl durch die Berichterstattung ist“.

https://www.br.de/nachrichten/bayern/messerindertasche-aiwanger-bezichtigt-gruene-der-luege,Rey0HXJ

Aiwanger und der Rechtsstaat

Hubert Aiwanger macht das, was man in solchen Situationen gerne macht – man geht zum Gegenangriff über. Er bezichtigt die Grünen der Lüge, sagt die Vorwürfe seien „zusammengelogen“. Naja, so einfach ist es nicht. Seine Aussage ist schließlich dokumentiert und eindeutig. Und auch Aiwangers Satz, dass man Schwerkriminelle wegsperren müsse, mutet schon merkwürdig an in einem Rechtsstaat. Der Freistaat Bayern sperrt Schwerkriminelle weg und Aiwanger ist Teil der Regierung dieses Staates.

Auch der Kommentar „Aiwangers beschämende Messer-Äußerung“ aus der Süddeutschen Zeitung vom 15. Oktober ist eindeutig:

„Egal, wie lange Hubert Aiwanger noch Wirtschaftsminister sein wird, er wird als Politiker in Erinnerung bleiben, der von einer Peinlichkeit zur nächsten stolperte. Er selbst gefällt sich anscheinend immer besser in der Rolle des Spalters und Provokateurs. Der klassische Aiwanger-Auftritt funktioniert stets nach gleichem Muster: Er spricht ein Thema auf möglichst schlichte Weise an und teilt dabei die Welt in „Die“ und „Wir“. „Die“ sind immer Veganer, Grüne, Städter und sonstige Deppen. „Wir“ sind brave, anständige, vernünftige Bürger, Bauern, Schützen, Autofahrer oder geerdete Niederbayern.

 Leider gibt es mehr als genug Leute, die auf diesen klassischen Populisten-Trick reinfallen und Aiwanger für jeden Unsinn zujubeln. Auf den Internationalen Jagd- und Schützentagen auf Schloss Grünau sagte er am Wochenende: „Ich bin überzeugt, Bayern und Deutschland wären sicherer, wenn jeder anständige Mann und jede anständige Frau ein Messer in der Tasche haben dürfte, und wir würden die Schwerkriminellen einsperren. Das wäre der richtige Weg.“

 Das sind beschämende Sätze für einen stellvertretenden Ministerpräsidenten. Er ist also anscheinend der Meinung, dass Schwerkriminelle hierzulande nicht eingesperrt werden – da könnte er sich vielleicht mal beim Innen- oder Justizminister informieren, wie Polizei und Justiz funktionieren. Dann wüsste er auch, dass speziell „Schwerkriminelle“ sehr wohl eingesperrt werden. Seine Äußerung lässt sich aber auch so interpretieren, dass sich anständige Bürger mit Messern bewaffnen sollten, weil Bayern unsicher ist. Das ist nicht nur falsch, es ist sogar gefährlich, auch wenn es Aiwanger anders gemeint haben will.

Mit dem eigentlichen Thema – dem möglichen Verbot von bestimmten Messern in der Öffentlichkeit und den Sorgen der Brauchtumsvereine – hat Aiwangers Dahergerede nichts mehr zu tun. Aber es geht ihm ja auch um das Schüren von Emotionen und nicht um praktische Politik, die halt immer ein bisschen komplexer als ein Stammtischspruch ist. Am Wochenende treffen sich die Freien Wähler zur Landesversammlung. Man darf gespannt sein, auf wen Aiwanger dann eindrischt und wie lange die Partei seine Ausfälle noch mittragen will.“

https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-aiwanger-messer-waffen-kommentar-1.4641863

Mit Humor

Und dann die Versuche, die Entgleisung mit Humor leichter erträglich zu machen:

Zum Beispiel bei „Ringlstetter“ im BR Fernsehen

https://www.br.de/mediathek/video/ringlstetter-aiwanger-und-das-messer-av:5da97416655a6f001a5b16c7

Das Ende der Welt von Helmut Schleich

https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowelt/ende-der-welt-messer-hubert-100.html

Die Glosse aus dem ZEIT Magazin vom 16.10.19.

https://www.sueddeutsche.de/bayern/bayern-aiwanger-messer-waffen-kommentar-1.4641863